Der Russland-Ukraine-Konflikt mündet über Nacht in einen Krieg und die Märkte schalten in den Krisenmodus. Die Aktienkurse geben überwiegend stark nach, Öl und Gold werden teurer. Die Börsenpreise für Strom und Gas ziehen ebenfalls steil an. Rohöl (Brent) knackt am Donnerstagvormittag die 100-Dollar-Marke und notiert damit auf dem höchsten Stand seit September 2014. Die Heizölpreise in der DACH-Region machen ein Sprung nach oben. Bei weiter steigender Tendenz beträgt das Tagesplus zwischen vier und sieben Cent je Liter. In Deutschland und Österreich wird, bezogen auf die 3.000-Liter-Partie, erstmals die Marke von einem Euro je Liter geknackt. Gleichzeitig ist die Heizölnachfrage seit den frühen Morgenstunden extrem hoch.
Nun tritt offenbar das ein, was gestern noch schwer vorstellbar war. Es wird berichtet, dass russische Bodentruppen auf ukrainisches Gebiet vordringen. Am Morgen war bereits von Luft- und Artillerieschlägen die Rede. Die Ukraine hat am Morgen den Kriegszustand erklärt. Die Lage in Osteuropa ist ungewisser denn je und der Westen kündigt schärfste Sanktionen an. Die Börsen hassen diese Unsicherheit und die Antwort, in Form eines Kursrutsches am Aktienmarkt, lässt nicht lange auf sich warten. Konträr ist die Kursentwicklung am Energiemarkt. Öl- und Gaspreise gehen steil und auch von der Strombörse wird von steigenden Notierungen berichtet. Fakt ist, Russland gehört zusammen mit den USA und Saudi-Arabien zu den „Big 3“ Förderstaaten für Rohöl, mit einer Jahresförderung von über 500 Mio. Tonnen. Es folgt Kanada auf Platz vier mit ca. 250 Mio. Tonnen. Bei der Versorgung Deutschlands mit Erdgas hat Russland einen Marktanteil von ca. 55 Prozent. Es handelt sich folglich um Kapazitäten, die anderweitig kaum zu ersetzen wären. Entsprechend sensibel reagieren die Preise bereits jetzt. Wie hoch es gehen kann, hängt von den weiteren Geschehnissen ab. Das der sich Energiepreisschock kurzfristig in Wohlgefallen auflöst wird zunehmend unwahrscheinlich. Es bleibt die Krux, dass Marktinteressen und Sanktionen sorgfältig gegeneinander abgewogen werden müssen. Selbst zu Zeiten des Kalten Krieges gab es russische Gaslieferungen nach Westeuropa.
Für Heizölkunden hat sich die Situation durch die jüngste Zuspitzung noch einmal drastisch verschärft und das Preisniveau für Heizöl erreicht in Deutschland und Österreich eine historische Höchststand bei jeweils rund 1,02 Euro je Liter. Brent Crude (Nordseeöl) schraubte sich hier kurzzeitig auf 145 Dollar je Barrel, ehe die Kurse binnen eines halben Jahres auf unter 40 Dollar einbrachen. Dass die Ölpreise 2022 ähnlich stark einbrechen, ist aus aktueller Sicht unwahrscheinlich. Vielmehr muss befürchtet werden, dass das Allzeithoch auch beim Rohöl ins Visier genommen wird. Dass die Heizölpreise in Deutschland und Österreich aktuell auf bereits einem Höheren Niveau liegen als 2008 liegt im Wesentlichen am Dollarkurs. Im Falle von Deutschland kommt die höhere Steuerbelastung durch die Anfang 2021 eingeführte CO2-Abgabe hinzu.
| Donnerstag 24.02.2022 - 12:17 Uhr | Schluss Vortag 23.02.2022 | Veränderung zum Vortag | |
|---|---|---|---|
| Rohöl Brent Crude | 105,22 $ pro Barrel | 97,54 $ pro Barrel | +7,87% |
| Gasöl | 896,75 $ pro Tonne | 836,75 $ pro Tonne | +7,17% |
| Euro/Dollar | 1,1180 $ | 1,1302 $ | -1,08% (schwächer) |
| USD/CHF | 0,9233 CHF | 0,9179 CHF | +0,59% (etwas fester) |
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