Nachrichten und ihre individuelle Wahrnehmung - am Ölmarkt hängt derzeit noch mehr davon ab als sonst. Wie diffizil das Preisgleichgewicht an der Ölbörse gestrickt ist, zeigte sich gestern an einem konkreten Beispiel. Als die Nachricht sinkender Benzinumsätze in den USA über die Ticker lief, gab der Ölpreis schlagartig nach. Zusammen mit leichten Verlusten, die es bereits im Tagesverlauf gab, summierte sich der Ölpreisrückgang auf gut 2 %. Rohöl (Brent Crude Nordseeöl) fiel auf 122 $ je Barrel. Der Absatzrückgang, von dem die Rede war, belief sich auf 1 % geringere Benzinumsätze in der Osterwoche und war abzulesen an den Kreditkartenumsätzen eines großen US-Finanzinstituts. Eine Meldung, die genauso gut hätte in der Bedeutungslosigkeit untergehen können.
Marktkonform ausgedrückt bedeutet die sensible Reaktion der Kurse auf ein Einzelereignis, dass die Luft dünn wird für den Ölpreis. Die erreichten 125 $ je Barrel Nordseeöl müssen zunächst verteidigt werden, ehe neue Kursphantasien aufkommen können. Die Angst der Börse wächst, dass die hohen Preise die Ölnachfrage zunehmend abwürgen könnte. In diesem Zusammenhang sind auch die neusten Bestandszahlen des DOE (heute um 16:30 Uhr MESZ) interessant.
Kursübertreibungen wie im Jahr 2008 sind unwahrscheinlich, doch die zahlreichen Heizölkunden, die auf fallende Heizölpreise warten, können dies wieder etwas optimistischer tun als zuletzt. Die Kurve der Heizölpreise macht Anstalten, aus einer zähen Seitwärtsbewegung in einen leichten Abwärtstrend zu wechseln. Noch sind die Ansätze allerding so zart, dass sie an einem einzigen Börsentag zunichte gemacht werden könnte.
Positiv aus Verbrauchersicht ist in jedem Fall der starke Euro, der zuletzt immer wieder die Importpreise des in Dollar gehandelten Öls drückte. Und auch ein Blick über den Tellerrand offenbart leichtes Rückschlagspotential für den Ölpreis. Zahlreiche Agrarrohstoffe, wie Baumwolle, Bauholz, Zucker und Palmöl haben in den letzten Wochen ihre Kursrallye beendet. Industriemetalle wie Kupfer und Blei geraten ebenfalls unter Druck. Einzig Gold macht keine Anstalten sein Dauerrallye zu beenden. Seit 2001 hat sich der Goldpreis nahezu versechsfacht.
Börsendaten:
Ein Barrel Rohöl (159 l) der Sorte Brent kostet in London aktuell rund 122,00 $, Gasöl ca. 1010 $ / t
Aktuelle Heizölpreise in Österreich ca. - 0,70 € / 100 l gegenüber gestern.
Euro/US Dollar: ca. 1,482 (nahezu unveränd.)
4-Wochen-Prognose Rohöl: Ölpreis seitwärts
4-Wochen-Prognose Heizöl: Heizölpreise seitwärts
alle Angaben ohne Gewähr
Tagestipp: Der Sommer könnte spannend werden in Sachen Heizölbevorratung. Ein Blick auf andere Rohstoffmärkte (Soft Commodities, Industriemetalle) offenbart Rückschlagspotential für den Ölpreis.© interaid GmbH 04.05.2011
Eintrag vom: 5.4.2011