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Zentralbank bleibt Zentralbank - Märkte enttäuscht

Die EZB hat gesprochen, der Finanzmarkt zeigt sich enttäuscht. Die Krise kriselt wie gehabt vor sich hin. Die Wunderwaffe gibt es nicht. So oder so ähnlich lässt sich der gestrige Handelstag an den Börsen in einem jeweils kurzen Satz zusammenfassen. Während Aktienkurse und Ölpreis sich am Vormittag noch aufmachten, um vorsichtig neue Dreimonats-Höchststände zu testen und der Euro einen Abbruch der Talfahrt zu testen schien, bereiteten die ersten Ergebnisse der Zentralbanksitzung am Nachmittag ein jähes Ende. Der Draghi-Effekt entlud sich diesmal in die andere Richtung. Statt des Kursfeuerwerks wie in der Vorwoche gab es binnen weniger Handelsminuten einen Rutsch von rund 2 %. Wie gleichgeschaltet die Kurse auf die Eurokrise reagieren, zeigte sich wieder einmal eindrucksvoll. Ob wir uns den DAX, den Ölpreis oder das Euro/Dollar-Verhältnis anschauen ist in Bezug auf die Abwärtsreaktion egal. Ab 14:30 Uhr zeigten alle Charts das gleiche Bild. Heute früh können sich die Kurse zunächst stabilisieren. Ein Barrel Rohöl (Brent Crude Nordseeöl) kostet 106,50 Dollar je Barrel, die Tonne Gasöl (Börsenwert für Heizöl und Diesel) wird mit 906 Dollar gehandelt und ein Euro kostet 1,219 US-Dollar. Insgesamt konnte sich der Ölpreis etwas besser behaupten, als der Euro.

Wie es nun weiter geht mit Euro, Ölpreis und Co. ist wieder einmal offen. Wer sich von der gestrigen EZB-Sitzung Klarheit erwartet hatte, wurde enttäuscht. Gleiches gilt für die Fed (US-Notenbank) jenseits des großen Teichs. Betrachtet man die Aufgaben einer Zentralbank, war diese Enttäuschung allerdings vorprogrammiert, bzw. die Erwartungen überzogen. In den Regularien steht nämlich nichts von „Staatenrettung“. Und das aus gutem Grund. Ureigene Zentralbankaufgabe wie Inflationsbekämpfung laufen dagegen gut bis sehr gut. Noch! Sobald die Sanierung maroder Staatsfinanzen zur Zentralbank abgeschoben wird – ob nun offiziell oder inoffiziell – ist der letzte Ruhepol im Haifischbecken der Eurorettung in Gefahr. Lassen wir uns überraschen. Vorsorglich warnt der Internationale Währungsfonds (IWF) schon einmal vor einer möglichen Rezession.

Echte Ölmarktthemen, wie die Hurrikansaison am Golf von Mexiko, die noch so etwas wie berechenbare Preisauswirkungen mit sich bringt, gibt es übrigens auch noch: Tropensturm Ernesto nimmt Kurs auf die Karibik und stützt das Kursniveau leicht. Positiv anzumerken für die Woche bleibt weiterhin, dass die Meldungslage im Iran-Konflikt ruhig geblieben ist.

Um den interessierten Heizölkunden nicht völlig irritiert und Desillusioniert ins Wochenende zu entlassen hier noch eine neue Stabilitätsbekundung: Der Ölpreis scheint auf dem erreichten Niveau ein neues Gleichgewicht gefunden zu haben. Er pendelt seit nunmehr drei Wochen um die Marke von 105 US-Dollar je Barrel Nordseeöl. Hier sehen wir auch einen Anhaltspunkt für die kommenden Wochen. Nach oben hin fehlt der Schwung, nach unten hin fehlen schlechte Nachrichten zur Konjunktur, oder sehr gute Nachrichten zur Angebotssituation auf dem Weltmarkt.

Börsendaten:
Ein Barrel Rohöl (159 l) der Sorte Brent kostet in London aktuell rund 106,50 $, Gasöl ca. 906 $ / t
Euro/US Dollar: ca. 1,219 (leichter)
Franken/US Dollar: ca. 1,016 (leichter)
alle Angaben ohne Gewähr

© interaid GmbH 03.08.2012
 

Eintrag vom: 8.3.2012

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