Fallende Heizölpreise? Fehlanzeige! Der Juli 2012 erweist sich weiterhin als Kostentreiber. Seit dem bisherigen Jahrestief am 25. Juni sind weniger als vier Wochen vergangen und die Heizölpreise haben sich im durchschnittlich um 10 % erhöht. Ob, wann und wie weit es wieder abwärts geht scheint derzeit vollkommen offen. Die Wirtschaftskrise hat sich an den Börsen abgemeldet und in die Sommerpause verabschiedet. Ungeachtet aller Konjunkturrisiken und der noch immer ungelösten Frage der finalen Euro-Rettung streben die Börsen munter nach oben. Die miese Stimmung aus dem Mai und Juni ist wie weggeblasen. Der Deutsche Aktienindex DAX, der sein 2012er-Tief bereits Anfang Juni – also rund drei Wochen vor dem Ölpreis – markierte, hat sich seitdem ebenfalls um rund 10 % erholt. Lediglich die beiden Bankaktien im DAX und der große Konjunkturzykliker Infineon haben stark verloren. Anstelle von plus 10 % weist die 6-Wochen-Bilanz hier ein Minus von ca. 10 % aus. D.h. die Werte hinken dem Gesamtmarkt – nahezu unbeachtet von der Wirtschaftspresse - um 20 % hinterher. Ergibt sich genau hieraus der Hinweis auf den nächsten Crash? Wir wissen es nicht, halten es aber für nötig, darauf hinzuweisen. Nach zahlreichen Kapitalmaßnahmen kostet ein Commerzbankaktie heute zwei Drittel weniger als auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Die Deutsche Bank notiert nur wenig über ihrem Tief von Anfang 2009. Beide bilden das absolute Schlusslicht in der 3-Jahres-Bilanz des DAX. Ähnlich schlecht gelaufen sind nur die von der Energiewende gebeutelten Versorger RWE und e.on oder die Metro mit individuellen Problemen. Gut aus der Krise gekommen sind dagegen besonders Konsumgüter-, Industrie- und Autowerte.
Der Ölpreis erfährt aktuell zusätzlichen Rückenwind durch die Iran-Krise, verhält sich aber im Verlauf sehr ähnlich wie die Aktienkurse. Konjunktur ist Trumpf bei der Preisentwicklung. Der Euro (zweitwichtigster Faktor für die Heizölpreise im Inland) zeigt zumindest in der jüngeren Vergangenheit eine gewisse Korrelation zu den strauchelnden Bankenwerten. Daher der etwas breiter angelegte Exkurs. Ob er uns bei der Prognose der Öl- und Heizölpreise letzten Endes weiterhilft muss sich zeigen. Trügt der Schein der schönen Börsen und wir steuern gerade Wegs auf den nächsten Crash zu oder rettet sich die Weltwirtschaft endlich in ruhigeres Fahrwasser? Ersteres hätte zumindest den positiven Effekt, dass Heizöl endlich billiger würde! Nur der Preis der unangenehmen Begleiterscheinungen wäre vermutlich hoch.
Die aktuelle Prognose lautet: Im Herbst sind wir schlauer und sollte wissen, wohin die Reise geht! Bis dahin tröstet die Erkenntnis, der guten Gesellschaft, über die eigene Unwissenheit hinweg. Auch die US-Notenbank (Fed) mochte oder konnte sich gestern nicht eindeutig äußern. Der mit Spannung erwartete Auftritt von Notenbankchef Bernanke vor dem US-Kongress lieferte keine eindeutigen Signale. Den Wirtschaftsausblick sieht er leicht pessimistisch, zugleich gab er Hoffnung auf expansive geldpolitische Maßnahmen, sobald diese notwendig werden. Im Klartext: Die Lage ist ernst aber nicht hoffnungslos und nichts Genaues weiß man nicht.
Börsendaten:
Ein Barrel Rohöl (159 l) der Sorte Brent kostet in London aktuell rund 103,60 $, Gasöl ca. 896 $ / t
Euro/US Dollar: ca. 1,223 (leichter)
Franken/US Dollar: ca. 1,020 (leichter)
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© interaid GmbH 18.07.2012
Eintrag vom: 18.7.2012