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Heizöl: Ohne Preistief keine Nachfrage

Die Ölpreisnotierungen an der Londoner Rohstoffbörse ICE stehen weiter fest unter dem Einfluss der Iransanktionen und der drohenden iranischen Gegenreaktion in Form der Schließung der Straße von Hormus. Dem Markt fehlen rund ein bis 1,5 Mio. Barrel Rohöl am Tag. Die vormalige Überproduktion, die den Ölpreis seit März kräftig unter Druck gesetzt hatte, ist damit mengenmäßig abgebaut. Besonders der Rohölpreis für Brent Crude Nordseeöl ist zuletzt stark gestiegen. Er beträgt heute Morgen 102,50 Dollar je Barrel. Ende letzten Monats waren es teilweise weniger als 90 Dollar. Auch der preisliche Abstand zum leichten US-Öl (WTI) ist mit aktuell 15 Dollar je Barrel wieder deutlich größer geworden. Schwache Konjunkturdaten aus China und eine neu in Betrieb genommene Pipeline der Vereinigten Arabischen Emirate, die der Umgehung der Straße von Hormus im Persischen Golf dient, können den Ölpreis kaum entlasten. Er pendelt um den Schlusskurs vom Freitag. Knapp 10 % der 17 Mio. Barrel, die täglich durch die Meerenge verschifft werden, können durch die Pipeline umgeleitet werden.

 Mit dem Anstieg des Brent-Preises über 100 Dollar je Barrel und der zunehmenden medialen Thematisierung des Irankonflikts schließt sich die Tür für einen raschen Rückzug der Ölpreise immer mehr. Nach aktueller Einschätzung der Lage ist zunächst von einer Seitwärtsbewegung der Ölpreise auf dem erreichten Niveau auszugehen, bis es entscheidende Neuigkeiten gibt. Dabei sehen wir die geopolitische Unsicherheit als größten Preistreiber und die Konjunktursorgen als größten potentiellen Belastungsfaktor für den Ölpreis.

Leichte Entspannung gibt es unterdessen an der Währungsfront. Das Analystenhaus Goldmann Sachs - das 2008 kurz vor dem Crash u.a. mit spektakulären Ölpreisprognosen von bis zu 200 Dollar je Barrel Schlagzeilen machte - half am Freitag dem dahinsiechenden Euro-Kurs etwas auf die Sprünge. Bei der US-Amerikanischen Investmentbank rechnet man mit einer Erholung der Gemeinschaftswährung auf Kurse um die 1,40 US-Dollar. Vom jetzigen Stand von 1,22 Euro je Dollar entspräche dies einer Aufwertung von rund 15 %, die Heizölkunden in Österreich sehr gelegen käme. Einen gleichbleibenden Ölpreis vorausgesetzt würden sich Ölimporte in die EU entsprechend dem Wechselkursgewinn verbilligen.

Die Zahl der Marktbeobachter ist trotz Ferienzeit weiterhin hoch und sobald sich der Heizölpreis nur etwas nach unten bewegt, ist mit einer neuen Eindeckungswelle zu rechnen.  Neben dem Trend zu bewussterem Heizen und neuen Heizungsanlagen, die sparsamer sind und häufig nicht mehr auf Öl basieren, ist die Verbrauchernachfrage nach Heizöl insbesondere Preisabhängig. Bei hohen Preisen werden Käufe vermieden und notfalls kleinere Mengen getankt. Fällt der Heizölpreis, schreitet der gut Informierte Internetkunde zum Vorratskauf. Das kluge Verbraucherverhalten, stellt die Logistik des Mineralölhandels zunehmend vor neue Herausforderungen. Nach langer Flautezeit herrscht plötzlich Hochkonjunktur, die Tanklagerbestände und Fuhrparkkapazitäten an ihre Grenzen bringt. Beste Beispiele sind der zurückliegende Juni und der Herbst 2008, als alle Kunden gleichzeitig volltanken wollten. Der absolute Bestellrekord datiert allerdings aus dem August 2011. Ein kurzer Ölpreisrücksetzer legte zwischen 8. und 10. August Server und Telefonzentralen des Heizölhandels lahm. Die Verbrauchernachfrage verzehnfachte sich wie aus dem Nichts heraus und brach drei Tage später wieder ein, als der Ölpreis wieder stieg.

Börsendaten:
Ein Barrel Rohöl (159 l) der Sorte Brent kostet in London aktuell rund 102,50 $, Gasöl ca. 882 $ / t
Euro/US Dollar: ca. 1,223 (etwas fester)
Franken/US Dollar: ca. 1,018 (etwas fester)
alle Angaben ohne Gewähr

© interaid GmbH 16.07.2012
 

Eintrag vom: 16.7.2012

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