Nach einer neuen Kursrallye im amerikanischen Handel sind die Ölpreise über Nacht wieder eingeknickt. Nach zwischenzeitlich über 100 Dollar am späten Montagabend kostet ein Barrel Nordseeöl (Brent Crude Oil) heute Morgen gut 98 Dollar. Dies entspricht dem Stand von Montagvormittag. Die 100-Dollar-Marke hat sich damit neuerlich als stabiler Widerstand erwiesen. Hier scheint der Rohölpreis vorerst gedeckelt.
Dafür, dass der Ölpreis gestern ausgerechnet im asiatischen Handel, während unserer Nachtstunden, gefallen ist, gibt es im Wesentlichen zwei Gründe. Der norwegische Ölarbeiterstreik, bzw. die für 0:00 Uhr angekündigte Aussperrung wurde regierungsseitig gestoppt. Es wird nun einen verbindlichen Schlichterspruch zum strittigen Renteneintrittsalter geben. Die Ölförderung soll sich im Laufe der nächsten Woche normalisieren. Empfindliche Einbußen beim Brent-Angebot wird es daher nicht geben. Norwegen deckt über 10 % des gesamteuropäischen Ölbedarfs.
Der zweite Grund ist direkt in Asien beheimatet. China erzielte im Juni einen überraschend hohen Handelsbilanzüberschuss. Konjunkturzweifler sehen hierin ein deutliches Zeichen für abnehmende Binnennachfrage. Insbesondere die Ölimporte fallen auf. Sie sind im vergangenen Monat nicht nur billiger geworden, sondern die Mengen hat sich um über 15 % gegenüber dem Vormonat reduziert.
Die Heizölpreise in Österreich bewegen sich heute Vormittag nur geringfügig. Ein weiterer Anstieg, der gestern Abend zu befürchten war, ist uns erspart geblieben. Nach durchgreifender Entlastung sieht es allerdings auch nicht aus. Der Euro verharrt weiterhin im Bereich von 1,23 US-Dollar. Das seit Tagen sehr schwache Niveau erteilt einer währungsseitigen Entlastung der inländischen Heizölpreise eine Absage. Für wenige Wochen hatte ein Heizöl-Preistief für rekordverdächtige Absatzmengen gesorgt. Der Juli-Auftakt ist nach einem Anstieg der Heizölpreise um mehr als 5 % das krasse Gegenteil. Durch Ferienzeit und unattraktive Heizölpreise tendiert die Nachfrage gen Null.
Preisbezogen kann der heutige Dienstag noch für Überraschungen sorgen. Die Euro-Zone hat den Staffelstab zurück. Neben der mit Spannung erwarteten Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zum Euro-Rettungsschirm sorgt das EU-Finanzministertreffen in Brüssel für Bewegung an den Börsen. Letzteres hat zusammen mit guten Konjunkturdaten aus Großbritannien zumindest dem Aktienmarkt Rückenwind gegeben. Der DAX notiert ein Prozent im Plus. Ölpreis und Euro zeigen sich dagegen weitgehend unbeeindruckt.
Börsendaten:
Ein Barrel Rohöl (159 l) der Sorte Brent kostet in London aktuell rund 98,50 $, Gasöl ca. 874 $ / t
Euro/US Dollar: ca. 1,229 (nahezu unveränd.)
Franken/US Dollar: ca. 1,028 (nahezu unveränd.)
alle Angaben ohne Gewähr
Tagestipp: Der Preis für ein Barrel Nordseeöl hat es neuerlich nicht geschafft, die 100-Dollar-Marke nachhaltig zu überwinden. Der Ölarbeiterstreik in Norwegen ist beendet und China Importiert weniger Öl. Dies macht Hoffnung, dass auch die Heizölpreise nicht weiter steigen.
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Eintrag vom: 7.10.2012