Der gestrige Börsentag brachte ein zweigeteiltes Bild. Während am Morgen die Erleichterung über die Beilegung des US-Schuldenstreits dominierte, herrschte am Nachmittag Ernüchterung. Mit der Erkenntnis, dass zwar der politische Streit, nicht aber das Schuldenproblem vom Tisch ist, machte sich Katerstimmung breit. Konjunktursorgen brachten neben den Deutschen Aktienindex DAX auch den Ölpreis zum Absturz. Rohöl notiert heute rund 3 % unter dem Tageshoch von gestern. Der DAX büßte seit gestern Vormittag sogar 4 % ein und notiert erstmals seit Ende März wieder unter der Marke von 7000 Punkten, die als psychologische Stütze des Aufschwungs gilt.
Noch deutlicher wird das Dilemma bei einem Blick auf den Währungsmarkt. Abgesehen von großen Tagesschwankungen ist das Euro/Dollar-Verhältnis innerhalb des letzten Monats nahezu konstant geblieben. Die Alarmzeichen für eine neue Wirtschaftskrise sind allgegenwärtig. Es muss endlich gelingen, eine echte Strategie gegen die ausufernden Staatsschulden jenseits und diesseits des Großen Teichs zu finden. Noch stützt die Unternehmensseite den Aufschwung mit teils brillanten Quartalszahlen den Markt. Kommt der Konjunkturzyklus hier jedoch zum Erliegen – ein stark sinkender US-Einkaufsmanagerindex war gestern ein Warnzeichen – kann es ganz schnell ungemütlich werden. Sinkende Steuereinnahmen würden die Staatshaushalte zusätzlich belasten.
Bei aller Unsicherheit hat die Entwicklung für Heizölkunden durchaus etwas Gutes. Größere Kursphantasien am Ölmarkt sehen wir vorerst nicht. Die gestern angesprochenen psychologischen Widerstände von 1000 $ je Tonne Gasöl (Börsenwert für Heizöl und Diesel) und 120 $ je Barrel Rohöl (Brent Crude Nordseeöl) haben sich als Obergrenze bestätigt. Abgesehen vom Wertverlust gegenüber anderen Währungen scheint auch das für die Importpreise entscheidende Verhältnis vom Euro zum Dollar zwischen 1,40 und 1,45 € / $ konstant. Heizöl könnte also bald wieder etwas billiger werden. In Worst-Case-Szenario könnte auch ein ähnlicher Absturz der Ölpreise erfolgen, wie wir ihn 2008 / 2009 am Rande der Kreditkrise erlebt haben. Der Preis hierfür wäre allerdings hoch. Ein zweites Mal wird es Regierungen und Notenbanken kaum möglich sein, Rettungspakete zu schnüren um die Weltwirtschaft mit herbeigezaubertem Geld wiederzubeleben. Hoffen wir also auf einen glimpflichen Ausgang und moderate Heizölpreise. Die Aussichten, den Heizöltank zu Schnäppchenpreisen zu füllen sind zwar verlockend, doch die Vorteile eines Crashs wiegen die Nachteile bei Weitem nicht auf.
Börsendaten:
Ein Barrel Rohöl (159 l) der Sorte Brent kostet in London aktuell rund 116,20 $, Gasöl ca. 966 $ / t
Aktuelle Heizölpreise in Österreich ca. - 0,90 € / 100 l gegenüber gestern.
Euro/US Dollar: ca. 1,419 (leichter)
4-Wochen-Prognose Rohöl: Ölpreis seitwärts
4-Wochen-Prognose Heizöl: Heizölpreise seitwärts
alle Angaben ohne Gewähr
Tagestipp: Der Ölpreis tendiert heute deutlich nach unten. Konjunktursorgen haben die Marktstimmung gekippt.© interaid GmbH 02.08.2011
Eintrag vom: 8.2.2011